Zum 40. Jahrestag der Tschernobyl-Havarie
25.04.2026 г.Der Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl am 26. April 1986 hatte weitreichende wirtschaftliche sowie sozialpsychologische Folgen. Er beeinflusste das Schicksal von Millionen von Menschen und erforderte den maximalen Einsatz von Kräften und Mitteln, um seine Folgen zu bewältigen.
Aufgrund einer Reihe von Umständen traf es gerade Belarus am härtesten und das Land litt am stärksten von Unfallfolgen. Auf sein Territorium fielen 35 % der in Tschernobyl freigesetzten Cäsium-137-Menge. 23 % des Staatsgebiets wurden kontaminiert, darunter mehr als 1,8 Mio. Hektar landwirtschaftlicher Flächen (etwa 20 % ihrer Gesamtfläche) und mehr als 2 Mio. Hektar Wald (etwa 23 %).
Von der Katastrophe waren 56 Bezirke des Landes betroffen, darunter mehr als 3.600 Ortschaften mit einer Bevölkerung von rund 2,5 Millionen Menschen, darunter 1,5 Millionen Kinder. 21 Bezirke wurden als am stärksten betroffen eingestuft.
Mehr als 130.000 Einwohner wurden evakuiert, weitere 200.000 Menschen verließen die betroffenen Gebiete auf eigene Initiative. Von der Landkarte von Belarus sind 479 Ortschaften in den Gebieten Gomel und Mogiljow verschwunden.
Der Gesamtschaden (einschließlich der Verluste im Zusammenhang mit der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Bevölkerung, der Schäden für Industrie und Sozialwesen, der Landwirtschaft, der Bauwirtschaft und anderer Wirtschaftszweige sowie die Kosten für Maßnahmen zur Beseitigung und Minimierung der Folgen der Katastrophe) wird auf 235 Mrd. US-Dollar geschätzt, was dem 32-fachen des Staatshaushalts der Republik von 1985 entspricht.
Über vier Jahrzehnte hinweg hat Belarus Schritt für Schritt das Leben in den betroffenen Gebieten wiederhergestellt. Im Zeitraum von 1990 bis 2025 wurden sechs staatliche Programme umgesetzt, deren Budget sich auf über 19 Mrd. US-Dollar belief.
Derzeit befindet sich Belarus in einer neuen Phase der Bewältigung der Tschernobyl-Problematik – der Übergang von der Sanierung der betroffenen Gebiete zu deren aktiver Wiederbelebung und beschleunigter sozioökonomischer Entwicklung unter strikter Einhaltung der erforderlichen Strahlenschutzmaßnahmen ist vollzogen.
Es wurden enorme Anstrengungen unternommen, um Flächen wieder in die landwirtschaftliche Nutzung zu überführen: Seit 1993 wurden mehr als 20.000 Hektar Land zurückgewonnen, die nun für die Landwirtschaft genutzt werden, wobei eine obligatorische radiologische Kontrolle der Erzeugnisse gewährleistet ist.
Im Rahmen dieses Komplexes werden Fragen der sozialen Absicherung und des ökologischen Wohlergehens auf der Grundlage einer dynamischen und nachhaltigen Entwicklung der Tschernobyl-Regionen geregelt. Dies wird durch die Verabschiedung des Entwicklungsprogramms für die Gebiete des Pripjatschen Polessja für die Jahre 2025–2030 bestätigt.
Die Strategie zur Entwicklung der Regionen basiert auf drei Hauptkomponenten: einer effizienten und ausgewogenen Wirtschaft, körperlichem und seelischem Wohlbefinden sowie komfortablen Lebensbedingungen. Dabei werden die Spezialisierung jedes einzelnen Bezirks sowie die Besonderheiten der wirtschaftlichen Tätigkeit unter Berücksichtigung der Schutzmaßnahmen im Rahmen der Beseitigung der Folgen des Unfalls im Kernkraftwerk Tschernobyl berücksichtigt.
Gemäß den Verordnungen des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko wird das groß angelegte Projekt „Entwicklung der südöstlichen Region des Gebiets Mogiljow“ umgesetzt, das auf den wirtschaftlichen Aufschwung und die Verbesserung der Lebensqualität in den am stärksten vom Unfall in Tschernobyl betroffenen Bezirken abzielt.
Der soziale Schutz der Bürger, die vom Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl betroffen sind, umfasst die Gewährung verschiedener Vergünstigungen, kostenlose Kurbehandlungen, kostenlose Verpflegung für Schüler in den kontaminierten Gebieten sowie eine Reihe weiterer Maßnahmen.
In Belarus findet jährlich eine spezielle Vorsorgeuntersuchung der Bevölkerung statt, die etwa 1,4 Mio. Menschen umfasst. Etwa 90.000 Menschen erhalten jedes Jahr eine kostenlose Kurbehandlung.
Zur Gesundheitsförderung von Kindern, die in kontaminierten Gebieten leben, wurden 12 Kinder-Rehabilitations- und Erholungszentren eingerichtet.
Seit 2003 ist in Gomel das Republikanische Wissenschaftlich-Praktische Zentrum für Strahlenmedizin und Humanökologie tätig. Heute ist dies die größte Spezialklinik Europas, die mit Geräten der neuesten Generation ausgestattet ist.
Es wurden einzigartige Erfahrungen im Bereich der Strahlenmedizin und der Sanierung von Gebieten gesammelt. Die belarussischen wissenschaftlichen Entwicklungen in diesem Bereich sind weltweit gefragt.
In Belarus gedenkt man den Helden von Tschernobyl, die unter Einsatz ihres Lebens und ihrer Gesundheit die radioaktive Verbreitung aufgehalten und noch größeres Unheil verhindert haben. Am 26. April finden im ganzen Land Gedenkveranstaltungen statt. Jedes Jahr findet an diesem Tag auf dem zentralen Platz der Stadt Bragin, das 45 km vom Reaktor entfernt liegt, eine Gedenkveranstaltung am Denkmal für die evakuierten Dörfer und an der Büste des Feuerwehrmanns Wassili Ignatenko statt, nach dem eine der Straßen in Minsk benannt ist.
Das Thema Tschernobyl findet seinen Niederschlag in der Literatur, in kulturellen Werken und in der Kunst.
Die Erinnerung an die Folgen des Unfalls im Kernkraftwerk Tschernobyl muss bewahrt werden – als Zeichen des Respekts für den Mut und die Heldentaten der Liquidatoren, als unschätzbare Lehre und Mahnung für künftige Generationen.